Bedeutendes Kirchner-Bild wieder zurück in Gemäldegalerie Dresden

von Anett Lentwojt, 20. Januar 2016

© Estel/Klut

Die Direktorin des Albertinums Hilke Wagner strahlt. Das „Straßenbild vor dem Friseurladen“ von Ernst Ludwig Kirchner konnte mithilfe zahlreicher Unterstützer aus Privatbesitz angekauft werden. Ab sofort bereichert es die Ausstellung im Expressionismus-Saal der Gemäldegalerie Neue Meister.

Der Künstler Ernst Ludwig Kirchner gehört zu den Wegbereitern des deutschen Expressionismus. Er lebte einige Jahre in Dresden und gründete hier gemeinsam mit anderen Malern, wie z.B. Erich Heckel, Fritz Bleyl oder Karl Schmidt-Rottluff die Künstlergruppe Brücke in der Dresdner Friedrichstadt. Seine Bilder wurden als „entartete“ Kunst aus den Dresdner Sammlungen 1937 aussortiert, verwertet oder vernichtet. Daraufhin erschoss sich Kirchner ein Jahr später in der Schweiz. Der Dresdner Kunstbesitz wurde in alle Welt verstreut. Für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden konnte bisher erst eines der 1937 als „entartet“ beschlagnahmten Gemälde, ein Werk von Erich Heckel, zurückerworben werden.

Das Gemälde thematisiert die urbane Entwicklung der Großstädte und die damit einhergehende Entfremdung der Menschen in ihr. Kirchner unternahm eine Deutschlandreise 1925/26. In seinen Kurort Davos zurück gekehrt, malte er, bewusst vereinfachend, aus der Erinnerung eine Serie von Straßenbildern. Das erworbene Bild gilt als das Beste dieser Serie. Es zeigt in grelles Licht getaucht eine Spaziergängerin, die in ein hell erleuchtetes Schaufenster blickt. Umringt wird sie von teilnahmslosen Passanten, die durch die Straßen eilen.