Königliches Comeback am Königstein

von Anett Lentwojt, 13. Juni 2026

Steinbildhauer Thore Brilloff und Steinmetz Martin Richter befestigen das neue Sandsteinmedaillon in der Mariengrotte unterhalb der Festung Königstein.
Steinbildhauer Thore Brilloff und Steinmetz Martin Richter bringen das neue Sandsteinmedaillon in der Mariengrotte unterhalb der Festung Königstein an. Foto: Festung Königstein gGmbH© Festung Königstein gGmbH
Sandsteinmedaillon mit dem Porträt von Königin Maria Anna von Sachsen in der Mariengrotte am Königstein.
Das neue Sandsteinmedaillon zeigt Königin Maria Anna von Sachsen und gibt der Mariengrotte am Königstein wieder ein Gesicht. Foto: Festung Königstein gGmbH© Festung Königstein gGmbH
Steinbildhauer Thore Brilloff und Steinmetz Martin Richter befestigen das neue Sandsteinmedaillon in der Mariengrotte unterhalb der Festung Königstein.
Sandsteinmedaillon mit dem Porträt von Königin Maria Anna von Sachsen in der Mariengrotte am Königstein.

Maria Anna blickt wieder ins Tal

Seit dem 11. Juni 2026 hängt in der kleinen Felsennische unterhalb der Festung ein neues Sandsteinmedaillon. Es zeigt Maria Anna von Sachsen, die von 1805 bis 1877 lebte und im 19. Jahrhundert zu den beliebten Mitgliedern der sächsischen Königsfamilie gehörte.

Geschaffen hat das Medaillon der 23-jährige Steinbildhauer Thore Brilloff. Er arbeitet als Geselle in der Dresdner Zwingerbauhütte. Gemeinsam mit Steinmetz Martin Richter brachte er das Werk in der Mariengrotte an.

Warum die Mariengrotte ihren Namen trägt

Die kleine Nische liegt am Patrouillenweg unterhalb der Festungsmauern. Der etwa zwei Kilometer lange Rundweg führt einmal um den Tafelberg und eröffnet immer wieder neue Blicke auf die Sächsische Schweiz.

Der Name Mariengrotte erinnert an Königin Maria Anna. Während des Dresdner Maiaufstands im Jahr 1849 suchte sie gemeinsam mit König Friedrich August II. Schutz auf der Festung Königstein.

Der Überlieferung nach gefiel ihr eine Aussicht am Patrouillenweg besonders gut. Sie ließ an dieser Stelle ein Kreuz in einer Felsennische anbringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Kreuz. Die Grotte blieb danach über Jahrzehnte leer.

Nun kehrt die Königin zurück, zumindest als Bildnis aus Sandstein.

Ein Wettbewerb für junge Steinmetze

Die Idee für die Neugestaltung entstand bei der Sanierung des Patrouillenwegs. Das Sächsische Immobilien- und Baumanagement setzte den Weg bis November 2024 instand.

Die Festung Königstein und das SIB riefen anschließend einen Gestaltungswettbewerb aus. Lehrlinge und junge Gesellen der Zwingerbauhütte durften eigene Entwürfe für die historische Nische entwickeln.

Thore Brilloff überzeugte mit seinem Sandsteinmedaillon. Sein Entwurf greift die Geschichte des Ortes auf, ohne den früheren Zustand einfach zu kopieren.

Die neue Gestaltung ersetzt das verlorene Kreuz nicht. Sie setzt einen eigenen Akzent und gibt der Mariengrotte eine sichtbare Persönlichkeit.

Die Königin schaut wieder auf den Weg

Das Medaillon zeigt Maria Anna mit ruhigem, ernstem Blick. Eine schlichte Kopfbedeckung rahmt ihr Gesicht ein. Der helle Sandstein hebt sich deutlich vom dunklen Felsen ab.

Gerade dieser Kontrast macht das Werk auffällig. Wer den Patrouillenweg entlangläuft, entdeckt zwischen rauem Gestein und mächtigen Festungsmauern plötzlich ein fein gearbeitetes Gesicht.

Die Mariengrotte wirkt dadurch nicht wie ein Museumsexponat. Sie bleibt Teil der Landschaft.

Kostenlos rund um den Königstein

Wanderer erreichen den Patrouillenweg über den Zustieg zur Festung. Schilder weisen den Weg.

Der Rundweg ist unabhängig von den Öffnungszeiten der Festung zugänglich. Besucher benötigen dafür keine Eintrittskarte. Wer die Mariengrotte sehen möchte, kann also auch außerhalb eines Festungsbesuchs vorbeikommen.

Für die etwa zwei Kilometer lange Strecke lohnt sich festes Schuhwerk. Der Weg verläuft direkt unterhalb des Sandsteinmassivs und zeigt den Königstein aus einer ganz anderen Perspektive.

Oben erzählt die Festung von Militär, Macht und sächsischer Geschichte. Unten treffen Felsen, Wald und alte Mauern aufeinander.

Ein Ausflug mit Geschichte und Aussicht

Die Mariengrotte lässt sich gut mit einem Besuch der Festung Königstein verbinden. Auf dem Plateau warten historische Gebäude, Ausstellungen, der Festungsbrunnen und weite Ausblicke über das Elbtal.

Der Patrouillenweg ergänzt dieses Erlebnis. Er zeigt, wie gewaltig der Tafelberg von unten wirkt. Gleichzeitig erzählt die Mariengrotte eine persönliche Geschichte.

Hier geht es nicht nur um Könige und politische Ereignisse. Es geht auch um einen Lieblingsplatz, eine fromme Stiftung und ein Kunstwerk, das mehr als 170 Jahre später an diese Verbindung erinnert.

Mit „kennst du Dresden“ in die Sächsische Schweiz

Die Festung Königstein gehört auch zu meinen Ausflugszielen in der Sächsischen Schweiz.

Bei individuell geplanten Tagestouren ab Dresden lassen sich die Festung, die Bastei, Schloss Pillnitz und weitere Ziele im Elbsandsteingebirge miteinander verbinden. Die Route richtet sich nach den Interessen der Gruppe. Auch kleinere Wanderungen, Fotostopps und regionale Pausen lassen sich einbauen.

Wer lieber aktiv unterwegs ist, kann die Landschaft bei einer geführten Radtour erleben. Die Strecke führt von Dresden über den Elberadweg in Richtung Sächsische Schweiz. Unterwegs liegen die Elbschlösser, Schloss Pillnitz, Pirna und zahlreiche Ausblicke auf die Felsenlandschaft.

Die neue Mariengrotte liefert nun einen weiteren guten Grund, am Königstein nicht nur nach oben zu schauen.

Manchmal wartet die schönste Entdeckung schließlich nicht auf der Festung, sondern am Weg darunter.