SIBYLLE - Zeitschrift für Mode und Kultur in der DDR

von Anett Lentwojt, 3. Mai 2018

Mode Fotografie Roessler Sibylle
SIBYLLE Cover von Rössler© Roessler
schöne Frauen Cover Sibylle
Modefotografie vor sozialistischer Industriekultur© Fischer
SIBYLLE stand der VOGUE in nichts nach© Wuest
Mode Fotografie Roessler Sibylle
schöne Frauen Cover Sibylle

Was heute die Frauenzeitschrift Brigitte ist, das war in der DDR die SIBYLLE – Zeitschrift für Mode und Kultur. Mit nur rund 200.000 Exemplaren pro Ausgabe – es gab ab 1956 sechs pro Jahr – war die Zeitschrift ein rares Produkt und stets in kürzester Zeit vergriffen. Insbesondere die Fotografien sowie die herausragende Grafik bildeten neben den Beiträgen über Mode, Kunst, Architektur und Gesundheit ein entscheidendes Element ihrer Wirkung. Die engagierten Fotograf*innen beherrschten nicht nur ihr Fach, sie legten an ihre Arbeit auch explizit künstlerische Maßstäbe an und verliehen der Ost-Vogue so einen kosmopolitischen Charme.

Ab Ende April 2018 zeigt die Ausstellung „Sibylle 1956–1995. Zeitschrift für Mode und Kultur“ im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die zentralen Fotograf*innen der Zeitschrift: Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Ute Mahler, Werner Mahler, Sven Marquardt, Elisabeth Meinke, Roger Melis, Hans Praefke, Günter Rössler, Rudolf Schäfer, Wolfgang Wandelt, Michael Weidt und Ulrich Wüst.

Nach Rostock, Rüsselsheim und Cottbus hält die Schau, die von der Kunsthalle Rostock entwickelt worden ist, in diesem Jahr Einzug in die Räume des Wasserpalais im Schloss Pillnitz. Im Hauptsaal steht die Modekultur der DDR im Mittelpunkt. Diese wird nicht nur unter kulturhistorischen Aspekten beleuchtet, sondern auch mithilfe von Modeentwürfen, Zeitdokumenten, Zeichnungen sowie in der DDR produziertem Modeschmuck aus den Beständen des Stadtmuseums Berlin greifbar gemacht.

Die Räume im Mittelflügel des Wasserpalais widmen sich währenddessen ganz der Präsentation von Modefotografien aus der SIBYLLE. In dichter Hängung reihen sich hier unterschiedliche Aufnahmen der 13 Fotograf*innen: von klassischen Fashion-Shootings vor sozialistischer Großstadtkulisse in Berlin, Budapest oder Moskau über Reiseberichte aus dem südöstlichen Europa bis hin zu experimentellen Modefotografien aus dem Arbeits- und Lebensalltag der DDR. Die Entwicklung, die die Zeitschrift von ihrem ersten Heft 1956 bis zum Jahr der politischen Wende vollzog, dokumentiert ein chronologischer Abriss der SIBYLLE-Ausgaben anhand von Originalen und Reproduktionen.

Begleitend zur Ausstellung erschien ein Katalog im Verlag Hartmann Projects, der neben Beiträgen über die kulturgeschichtliche Bedeutung der SIBYLLE in ausführlichen Bildstrecken ihre wichtigsten Fotograf*innen und deren Arbeiten vorstellt: herausgegeben von Ute Mahler und der Kunsthalle Rostock, 336 Seiten, ca. 570 Abbildungen, 39,80 EUR, ISBN 978-3-96070-007-4.

Das Rahmenprogramm zur Ausstellung lädt zu spannenden Artist Talks mit den Fotograf*innen Ute und Werner Mahler sowie Sven Marquardt ein. Darüber hinaus wirft das Kunstgewerbemuseum in Kooperation mit den Technischen Sammlungen einen genaueren Blick auf die Modekultur der DDR und zeigt in einer gemeinsamen Filmreihe unter anderem den 1951 erschienenen Spielfilm „Modell Bianka“ sowie die Dokumentation „Kann denn Mode rot sein?“ aus dem Jahr 2002. In einem zweitägigen Nähworkshop in Zusammenarbeit mit dem Konglomerat e.V. können nach Schnittmustern aus der SIBYLLE neue Lieblingsteile gefertigt werden. Aus dem Nähkästchen geplaudert wird in der Bar Wohnzimmer in der Dresdner Neustadt: Ehemalige Models, die für die SIBYLLE vor der Kamera standen, erzählen hier bei Cocktails nach Rezepten der Zeitschrift Geschichten aus dem Leben als Model in der DDR.